Ratgeber · Art. 21 L-GAV

Arbeitszeitkontrolle nach Art. 21 L-GAV: Was Gastrobetriebe erfassen müssen

Jeder dem L-GAV unterstellte Gastronomiebetrieb muss die tatsächlich geleistete Arbeitszeit erfassen. Die Aufzeichnung ist mindestens einmal monatlich zu unterzeichnen — vom Mitarbeitenden, wenn der Betrieb erfasst, und umgekehrt. Zudem muss der Betrieb den Mitarbeitenden jederzeit Auskunft über ihre Arbeits- und Ruhezeiten geben können, einschliesslich Ferien- und Feiertagsguthaben. Fehlt eine korrekte Arbeitszeitkontrolle, gilt im Streitfall die Aufzeichnung des Mitarbeitenden als Beweismittel (Art. 21 L-GAV).

Fachlich verantwortet von einem eidg. dipl. Treuhandexperten, der Gastronomiebetriebe in Lohn- und L-GAV-Fragen als Mandate betreut.

Was Art. 21 L-GAV im Einzelnen verlangt

Ziff. 1 — Arbeitsplan

Der Betrieb erstellt den Arbeitsplan schriftlich im Voraus. Ganzjahresbetriebe stellen ihn zwei Wochen im Voraus für die folgenden zwei Wochen auf, Saisonbetriebe eine Woche im Voraus für die folgende Woche. Wünsche der Mitarbeitenden sind nach Möglichkeit zu berücksichtigen; die endgültige Einteilung entscheidet der Betrieb.

Ziff. 2 — Arbeitszeiterfassung

Für die Arbeitszeiterfassung ist der Betrieb verantwortlich. Die Aufzeichnung ist mindestens einmal monatlich zu unterzeichnen: durch den Mitarbeitenden, wenn der Betrieb erfasst, und durch den Betrieb, wenn der Mitarbeitende selbst erfasst.

Ziff. 3 — Arbeitszeitkontrolle

Die Arbeitszeitkontrolle ist ein Verzeichnis über die tatsächlichen Arbeits- und Ruhezeiten. Mitarbeitende können jederzeit Auskunft verlangen — einschliesslich ihres Ferien- und Feiertagsguthabens.

Ziff. 4 — Beweislast

Führt der Betrieb keine Arbeitszeitkontrolle, gilt im Streitfall die Aufzeichnung des Mitarbeitenden als Beweismittel. Die Beweislast liegt dann faktisch beim Betrieb.

Arbeitsplan und Arbeitszeitkontrolle sind zwei verschiedene Dokumente

Der Arbeitsplan wird im Voraus erstellt und hält die geplanten Zeiten fest (Soll). Die Arbeitszeitkontrolle hält fest, was tatsächlich gearbeitet wurde (Ist). Beide Dokumente erfüllen unterschiedliche Zwecke und dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Häufigster Fehler in der Praxis: den Arbeitsplan als Zeiterfassung zu verwenden. Das ist nicht zulässig — der Plan zeigt nur die Absicht, nicht die tatsächlich geleistete Zeit. Im Streitfall oder bei einer Kontrolle fehlt damit der gültige Nachweis (Art. 21 Ziff. 2+3 L-GAV).

Was es kostet, wenn nicht korrekt erfasst wird

Nach Art. 15 L-GAV sind Überstunden nur dann mit 100 % des Bruttolohns zu vergüten, wenn drei Bedingungen kumulativ erfüllt sind:

  1. Der Betrieb erfasst die Arbeitszeit nach Art. 21 L-GAV.
  2. Der Mitarbeitende erhält monatlich schriftlich seinen Überstundensaldo.
  3. Die Auszahlung erfolgt bis Ende des Monats.

Ist auch nur eine Bedingung nicht erfüllt, sind 125 % geschuldet.

Rechenbeispiel

  • Betrieb mit 8 Mitarbeitenden, je 10 Überstunden pro Monat
  • Stundenlohn CHF 25 → 80 Stunden × CHF 25
  • Bei 100 %: CHF 2’000 · bei 125 %: CHF 2’500

Differenz: CHF 500 pro Monat — CHF 6’000 pro Jahr, allein wegen fehlender Dokumentation.

Überschreitet der Überstundensaldo 200 Stunden, ist der übersteigende Teil mit dem Lohn des Folgemonats auszuzahlen.

Pausen und Essenszeit

Die Essenszeit gilt nach Art. 15 L-GAV nicht als Arbeitszeit und beträgt mindestens eine halbe Stunde je Mahlzeit. Muss die mitarbeitende Person während der Essenszeit am Arbeitsplatz verfügbar bleiben, gilt sie als Arbeitszeit.

Davon zu unterscheiden sind die gesetzlichen Pausen nach Art. 15 des Arbeitsgesetzes (ArG). Sie richten sich nach der täglichen Arbeitszeit:

  • mehr als 5½ Stunden: mindestens 15 Minuten Pause
  • mehr als 7 Stunden: mindestens 30 Minuten Pause
  • mehr als 9 Stunden: mindestens 60 Minuten Pause

Die Pause ist in der Regel etwa in die Mitte der Arbeitszeit zu legen. Pausen gelten als Arbeitszeit, wenn der Arbeitsplatz nicht verlassen werden darf.

Wöchentliche Arbeitszeit

Die wöchentliche Höchstarbeitszeit nach L-GAV richtet sich nach der Betriebsart (jeweils im Durchschnitt, inklusive Präsenzzeit):

BetriebsartWöchentliche Arbeitszeit
Normalbetrieb42 Stunden
Saisonbetrieb43,5 Stunden
Kleinbetrieb (max. 4 Vollzeitstellen oder 6 Mitarbeitende bei 400 %)45 Stunden

Hinweis: Ab einem Monatslohn von CHF 6’750 (ohne 13. Monatslohn) kann die Überstundenentschädigung schriftlich frei vereinbart werden.

Was die Kontrollstelle prüft

Die paritätische Kontrollstelle des L-GAV prüft, ob der Betrieb die Arbeitszeit korrekt erfasst und dokumentiert. Verlangt werden typischerweise:

  • Arbeitspläne (im Voraus erstellt)
  • Arbeitszeitaufzeichnungen mit monatlicher Unterschrift
  • Überstunden-, Ferien- und Feiertagssaldi
  • Lohnabrechnungen

Aufbewahrungsfristen: Arbeitszeitaufzeichnungen mindestens fünf Jahre (Art. 46 ArG), Lohnunterlagen zehn Jahre (Art. 958f OR). Fehlen die Unterlagen, drohen Nachzahlungen (125 % statt 100 %), Konventionalstrafen und im Streitfall die Beweislast zulasten des Betriebs.

Häufige Fragen

Wie lange im Voraus muss der Arbeitsplan vorliegen?

Ganzjahresbetriebe erstellen den Arbeitsplan zwei Wochen im Voraus für die folgenden zwei Wochen, Saisonbetriebe eine Woche im Voraus für die folgende Woche (Art. 21 Ziff. 1 L-GAV). Wünsche der Mitarbeitenden sind nach Möglichkeit zu berücksichtigen; die endgültige Einteilung entscheidet der Betrieb.

Gilt der Arbeitsplan als Arbeitszeiterfassung?

Nein. Der Arbeitsplan hält die geplanten Zeiten fest (Soll), die Arbeitszeitkontrolle die tatsächlich geleisteten Zeiten (Ist). Den Arbeitsplan als Zeiterfassung zu verwenden ist nicht zulässig und der häufigste Fehler in der Praxis (Art. 21 Ziff. 2+3 L-GAV).

Was kostet es, wenn ich die Arbeitszeit nicht erfasse?

Ohne korrekte Erfassung nach Art. 21 und ohne monatliche Saldo-Kommunikation sind Überstunden mit 125 % statt 100 % des Bruttolohns zu vergüten (Art. 15 L-GAV). Bei acht Mitarbeitenden mit je zehn Überstunden pro Monat zu einem Stundenlohn von CHF 25 sind das rund CHF 500 Mehrkosten pro Monat, also CHF 6’000 pro Jahr — allein wegen fehlender Dokumentation.

Wie lange muss ich die Aufzeichnungen aufbewahren?

Arbeitszeitaufzeichnungen sind mindestens fünf Jahre aufzubewahren (Art. 46 ArG), Lohnunterlagen zehn Jahre (Art. 958f OR). Die Unterlagen müssen den Vollzugs- und Kontrollorganen auf Verlangen zugänglich sein.

Zählt die Essenszeit als Arbeitszeit?

Grundsätzlich nein: Die Essenszeit beträgt mindestens eine halbe Stunde je Mahlzeit und gilt nicht als Arbeitszeit (Art. 15 L-GAV). Muss die mitarbeitende Person während der Essenszeit am Arbeitsplatz verfügbar bleiben, gilt sie als Arbeitszeit.

Wie viele Stunden darf man am Stück ohne Pause arbeiten?

Das Arbeitsgesetz schreibt Pausen nach der täglichen Arbeitszeit vor: ab mehr als 5½ Stunden mindestens 15 Minuten, ab mehr als 7 Stunden mindestens 30 Minuten, ab mehr als 9 Stunden mindestens 60 Minuten (Art. 15 ArG). Die Pause ist in der Regel etwa in die Mitte der Arbeitszeit zu legen.

Erfüllt die Zeiterfassung von Gastrora Art. 21 Ziff. 2+3 L-GAV?

Ja. Die Arbeitszeit wird wahlweise per WhatsApp, über einen QR-Code im Betrieb oder durch direkte Eingabe erfasst — Start, Ende und Pausen laufend. Gastrora legt den Monatsrapport zur Kontrolle vor und dokumentiert die Gegenzeichnung mit Zeitstempel, genau wie vom Merkblatt des GastroSuisse-Rechtsdiensts verlangt.

Wie läuft die monatliche Gegenzeichnung?

Nach Monatsabschluss prüft der Geschäftsführer den Rapport und sendet dem Mitarbeitenden einen personalisierten WhatsApp-Link. Ein Tippen auf „Korrekt — visieren“ setzt den rechtsgültigen Zeitstempel. Bei Einspruch geht ein Dispute-Ticket an den Betrieb.

Was passiert, wenn der Mitarbeitende nichts sendet?

Gastrora erinnert automatisch. Bleibt die Rückmeldung aus, wird der Tag nach Ablauf der Frist als Ruhetag gebucht und die geplante Schicht als erledigt ohne Erfassung gekennzeichnet. Bei Einspruch korrigiert der Verantwortliche den Eintrag manuell.

Wie lange werden die Daten in Gastrora aufbewahrt?

Fünf Jahre gemäss Art. 46 ArG. Ein Export als PDF oder CSV ist jederzeit möglich.

Stand: September 2026. Diese Übersicht dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung; massgebend sind der L-GAV, das Arbeitsgesetz (ArG) und der individuelle Arbeitsvertrag. Angaben ohne Gewähr.

Wie Gastrora das löst

Gastrora bildet die Pflichten aus Art. 21 L-GAV direkt im Ablauf ab — ohne Excel und Papier:

  • Erfassung per WhatsApp, QR-Code oder direkte Eingabe — die Mitarbeitenden erfassen ihre Zeit per WhatsApp („Start“ / „Ende“), über einen QR-Code im Betrieb oder per manueller Eingabe; erfüllt die laufende Arbeitszeiterfassung nach Ziff. 2.
  • Digitale Gegenzeichnung per WhatsApp-Link — erfüllt die monatliche Unterzeichnung nach Ziff. 2.
  • Monatsrapport mit Arbeits- und Ruhezeiten sowie Ferien- und Feiertagsguthaben — erfüllt die Auskunfts- und Kontrollpflicht nach Ziff. 3.
  • Automatischer Überstundensaldo mit monatlicher Kommunikation — Voraussetzung für die 100 %-Abrechnung nach Art. 15 L-GAV.
  • Revisionssichere Archivierung über 5 Jahre — erfüllt Art. 46 ArG.

Arbeitszeitkontrolle, die Art. 21 L-GAV erfüllt

Erfassung, Gegenzeichnung und Archivierung laufen automatisch — konform und nachweisbar.